Tore entscheiden Spiele, Torjäger entscheiden Saisons. In der Regionalliga Nordost 2025/26 liefern sich einige treffsichere Angreifer ein packendes Rennen um die Torjägerkanone. Wir stellen die besten Torschützen der bisherigen Saison vor und ordnen ihre Leistungen ein.
Das Torjäger-Ranking nach 18 Spieltagen
| Platz | Spieler | Verein | Tore | Vorlagen | Minuten/Tor |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Moritz Broschinski | BFC Dynamo | 12 | 4 | 128 |
| 2 | Tobias Müller | Chemnitzer FC | 11 | 3 | 140 |
| 3 | Lukas Krüger | Energie Cottbus II | 10 | 5 | 137 |
| 4 | Cyrill Akono | Hallescher FC | 9 | 3 | 162 |
| 5 | Djamal Ziane | 1. FC Lok Leipzig | 9 | 2 | 170 |
| 6 | Maximilian Wolfram | Carl Zeiss Jena | 8 | 6 | 157 |
| 7 | Stefan Wächter | SV Babelsberg 03 | 7 | 2 | 205 |
| 8 | Marco Kofler | Berliner AK | 7 | 1 | 210 |
| 9 | Kevin Schimmel | ZFC Meuselwitz | 6 | 3 | 222 |
| 10 | Ronny König | FSV Zwickau | 6 | 2 | 195 |
Die Top 5 im Porträt
1. Moritz Broschinski (BFC Dynamo) — 12 Tore
Broschinski ist der Hauptgrund, warum der BFC Dynamo als Herbstmeister in die Winterpause geht. Der 24-Jährige kam im Sommer vom SV Meppen und hat sich schnell zum gefährlichsten Angreifer der Liga entwickelt.
Was ihn von der Konkurrenz abhebt, ist seine taktische Vielseitigkeit. Er kann als klassischer Mittelstürmer im Strafraum agieren, über die Flügel kommen oder mit Tiefenläufen hinter die Abwehrkette starten. Von seinen zwölf Saisontreffern erzielte er sieben mit dem rechten Fuß, drei mit dem linken und zwei per Kopf — das macht ihn für Verteidiger schwer auszurechnen.
Sein wohl wichtigstes Tor war der Ausgleich zum 1:1 im Spitzenspiel gegen Lok Leipzig am 17. Spieltag, das den Weg zum 2:1-Sieg ebnete. Broschinski zeigte dabei sein ganzes Können: technisch saubere Ballmitnahme, kurzer Antritt, platzierter Flachschuss ins lange Eck.
Auch die Effizienz stimmt: Ein Tor alle 128 Minuten — Spitzenwert in der Liga. Bei 2,8 Torschüssen pro Spiel verwandelt er rund 26 Prozent seiner Abschlüsse, ein starker Wert für diese Spielklasse.
Die offene Frage: Kann Dynamo Broschinski über den Winter halten? Ein Stürmer mit dieser Quote dürfte bei einigen Drittligisten auf dem Zettel stehen. Laut Transfermarkt wird sein Marktwert mittlerweile auf 250.000 Euro geschätzt — Tendenz steigend.
2. Tobias Müller (Chemnitzer FC) — 11 Tore
Müller ist beim Chemnitzer FC kein Unbekannter. Der 30-Jährige spielt bereits seine dritte Saison beim CFC und ist längst unangefochtener Führungsspieler. Mit elf Treffern aus 18 Spielen liegt er nur knapp hinter Broschinski.
Seine größte Stärke ist sein Positionsspiel. Müller hat ein feines Gespür dafür, wo der Ball als nächstes landen wird, und seine Laufwege in den Strafraum gehören zu den besten der Liga. Neun seiner elf Tore erzielte er aus dem Strafraum heraus — er ist ein Vollstrecker, der sich seine Chancen dort sucht, wo sie am gefährlichsten sind.
In Heimspielen blüht er auf: Acht seiner elf Treffer fielen im Stadion an der Gellertstraße. Diese Heimstärke passt zur allgemeinen Dominanz des CFC vor eigenem Publikum und macht ihn dort zu einem entscheidenden Faktor im Aufstiegsrennen.
Das Defizit: Auswärts trifft er zu selten. Drei Tore in neun Auswärtsspielen sind für einen Torjäger dieser Klasse zu wenig. Wenn der CFC in der Rückrunde ernsthaft um den Aufstieg mitspielen will, muss Müller auch außerhalb von Chemnitz häufiger treffen.
3. Lukas Krüger (Energie Cottbus II) — 10 Tore
Die wohl spannendste Geschichte im Torjäger-Ranking schreibt der 21-jährige Lukas Krüger. Als Spieler der Zweitvertretung von Energie Cottbus steht er für die gute Nachwuchsarbeit des Lausitzer Clubs. Zehn Tore und fünf Vorlagen machen ihn zum vielseitigsten Angreifer der Top 5 — 15 Torbeteiligungen in 18 Spielen, der beste Scorer-Schnitt.
Krüger ist schnell und beidfüßig gefährlich. Sein Doppelpack beim 3:0 gegen Halberstadt am 17. Spieltag zeigte das: Das erste Tor nach einem 40-Meter-Sprint mit rechts, das zweite per Lupfer mit links über den herauseilenden Keeper.
Mit 21 Jahren steht er erst am Anfang seiner Karriere. Der Sprung in den Profikader von Energie Cottbus liegt nahe. Die erste Mannschaft in der 3. Liga dürfte ihn genau beobachten — ein Aufstieg in der Winterpause oder spätestens im Sommer scheint nur eine Frage der Zeit.
4. Cyrill Akono (Hallescher FC) — 9 Tore
Cyrill Akono kam mit klarer Erwartung zum Halleschen FC nach dessen Abstieg aus der 3. Liga: Tore schießen und den sofortigen Wiederaufstieg absichern. Neun Treffer aus 18 Spielen sind solide, aber die Effizienz lässt Luft nach oben.
Das Problem: Akono braucht zu viele Chancen. Seine Conversion Rate liegt bei nur 16 Prozent (9 Tore bei 56 Abschlüssen) — deutlich unter den Werten von Broschinski und Krüger. Gleichzeitig ist er der Spieler mit den meisten Torschüssen der Liga, was seine Dominanz im Offensivspiel zeigt, aber eben auch fehlende Kaltschnäuzigkeit.
Trotzdem ist Akono wichtig für den HFC. Er arbeitet stark gegen den Ball, gewinnt Kopfballduelle und schafft Räume für seine Mitspieler. In der Winterpause-Bilanz haben wir den HFC als enttäuschend eingestuft — Akono gehört zu den wenigen, die man davon ausnehmen kann.
5. Djamal Ziane (1. FC Lok Leipzig) — 9 Tore
Der algerische Stürmer ist der Dreh- und Angelpunkt des Leipziger Offensivspiels. Mit neun Toren steht er gleichauf mit Akono, bringt aber ein anderes Profil mit. Ziane ist ein klassischer Strafraumstürmer, der von Flanken und Tiefenpässen lebt. Sechs seiner neun Tore erzielte er per Kopf — der mit Abstand höchste Kopfball-Wert in der Liga.
Mit 1,91 Metern und guter Sprungkraft ist er ein Problem für gegnerische Innenverteidiger. Ziane gewinnt 68 Prozent seiner Luftduelle — Spitzenwert. Sein Kopfballtor zum 0:1 im Spiel beim BFC Dynamo war typisch: perfektes Timing, wuchtiger Abschluss, keine Chance für den Keeper.
Seine Schwäche liegt im Spiel am Boden. Flachpässe verarbeitet er oft unsauber, und im Kombinationsspiel geht er zu häufig verloren. Der Lok-Trainer muss einen Weg finden, Ziane besser einzubinden, wenn Leipzig in der Rückrunde noch ins Aufstiegsrennen eingreifen will.
Weitere auffällige Torschützen
Abseits der Top 5 verdienen einige Spieler besondere Erwähnung:
Maximilian Wolfram (Carl Zeiss Jena, 8 Tore, 6 Vorlagen): Der vielseitigste Offensivspieler der Liga. Wolfram agiert im asymmetrischen 3-4-2-1 von Jena als hängende Spitze und kommt auf 14 Scorer-Punkte — der zweitbeste Wert nach Krüger. Seine sechs Vorlagen zeigen, dass er nicht nur selbst trifft, sondern auch seine Mitspieler stark einsetzt.
Ronny König (FSV Zwickau, 6 Tore): Mit 38 Jahren eine lebende Legende der Regionalliga. Seine sechs Treffer zeigen, dass Erfahrung und Positionsspiel fehlende Geschwindigkeit wettmachen können. Sein Kopfballtor zum 1:1 im Sachsen-Derby gegen den Chemnitzer FC am 17. Spieltag war ein Moment für die Geschichtsbücher — passend zu den Erfolgsgeschichten, die die Regionalliga immer wieder schreibt.
Kevin Schimmel (ZFC Meuselwitz, 6 Tore, 3 Vorlagen): Wohl der am meisten unterschätzte Angreifer der Liga. Schimmel spielt für ein Abstiegskampf-Team und steht trotzdem in den Top 10 der Torjäger. Sein Siegtreffer am 17. Spieltag gegen Viktoria Berlin war ein technisches Highlight.
Tor-Statistiken der Saison
Einige interessante Zahlen zur laufenden Spielzeit:
- Tore gesamt: 438 in 162 Spielen (Schnitt 2,70 pro Spiel)
- Elfmetertore: 23 (5,3 Prozent aller Treffer)
- Kopfballtore: 67 (15,3 Prozent)
- Fernschusstore (außerhalb 16m): 38 (8,7 Prozent)
- Tore durch Einwechselspieler: 52 (11,9 Prozent)
- Tore in der Nachspielzeit: 18 (4,1 Prozent)
- Eigentor: 8
Der hohe Anteil an Toren durch Einwechselspieler zeigt, wie wichtig die Kadertiefe in dieser Liga ist. Teams wie der BFC Dynamo und Energie Cottbus II, die qualitative Alternativen auf der Bank haben, profitieren davon überproportional.
Die Torjägerkanone: Eine Prognose
Broschinski führt mit einem Tor Vorsprung vor Müller und liegt auf Kurs, die Torjägerkanone zu gewinnen. In den vergangenen Saisons lag der Torjägerkönig der Regionalliga Nordost zwischen 18 und 24 Treffern. Broschinski müsste in der Rückrunde also mindestens sechs weitere Tore erzielen, um in diesen Bereich zu kommen — bei seiner Quote von einem Tor alle 128 Minuten absolut realistisch.
Müller dürfte der hartnäckigste Verfolger bleiben, sofern der Chemnitzer FC weiter um den Aufstieg spielt. In engen Aufstiegsrennen werden einzelne Tore zum entscheidenden Faktor, und Müllers Erfahrung könnte ihm in der Crunchtime einen Vorteil verschaffen.
Krüger ist der Joker. Wenn der junge Cottbuser seine Entwicklung fortsetzt, könnte er in der Rückrunde noch dominanter auftreten. Mit zehn Toren und fünf Vorlagen ist er schon jetzt der kompletteste Offensivspieler der Liga.
Die aktuelle Tabelle zeigt, dass die Torjäger-Leistungen direkt mit dem Abschneiden der Mannschaften zusammenhängen: Die vier besten Torschützen spielen für die Top 4 der Liga. In der Rückrunde wird sich zeigen, ob diese Korrelation bestehen bleibt oder ob ein Überraschungsteam durch einen heißlaufenden Stürmer nach oben vorstoßen kann.
Quellen: kicker — Regionalliga Nordost Torjäger, Transfermarkt — Regionalliga Nordost, fupa.net — Regionalliga Nordost Statistiken