17. Spieltag: Analyse und Ergebnisse

Detaillierte Analyse des 17. Spieltags der Regionalliga Nordost mit Ergebnissen, Torschützen und taktischen Einblicken.

Der 17. Spieltag der Regionalliga Nordost lieferte Dramaturgie, wie sie nur der Amateurfußball schreiben kann. Torreiches Wochenende, überraschende Ergebnisse und ein Spitzenspiel, das seinen Namen verdient hat. Wir analysieren die neun Partien des vorletzten Hinrundenspieltags.

Die Ergebnisse im Überblick

HeimErgebnisGast
BFC Dynamo2:11. FC Lok Leipzig
Energie Cottbus II3:0Germania Halberstadt
FSV Zwickau1:1Chemnitzer FC
Carl Zeiss Jena2:0FC Rot-Weiß Erfurt
Hallescher FC2:2Berliner AK
SV Babelsberg 031:0Tennis Borussia Berlin
VSG Altglienicke3:2Greifswalder FC
FC Viktoria 1889 Berlin0:1ZFC Meuselwitz
FC Eilenburg2:1Hertha BSC II

Spitzenspiel: BFC Dynamo 2:1 1. FC Lok Leipzig

Das Topspiel fand im Sportforum Hohenschönhausen vor 5.200 Zuschauern statt — Saisonbestwert beim BFC Dynamo. Die Fans bekamen ein offenes Spiel zweier Mannschaften, die sich nichts schenkten.

Der BFC startete nervös. Lok Leipzig zeigte in den ersten fünfzehn Minuten, warum sie als taktisch reifste Mannschaft der Liga gelten. Mit klugem Pressing auf den Dynamo-Spielaufbau erzwangen die Sachsen früh Ballverluste und kamen über Verlagerungen auf die Außen zu gefährlichen Situationen. In der 12. Minute war es soweit: Djamal Ziane köpfte nach einer Flanke von rechts wuchtig zum 0:1 ein.

Der Rückstand wirkte auf den BFC wie ein Weckruf. Trainer Backhaus stellte vom 4-2-3-1 auf ein offensiveres 4-3-3 um und ließ die Außenstürmer höher stehen. Ab der 25. Minute griff das. Die Berliner übernahmen das Mittelfeld, und nach einer Kombination über sechs Stationen glich Moritz Broschinski in der 33. Minute per Flachschuss zum 1:1 aus.

Die zweite Halbzeit war zunächst ein taktisches Abtasten. Beide Teams neutralisierten sich weitgehend, bis der BFC in der 78. Minute den Siegtreffer erzielte. Ein langer Ball von Innenverteidiger Pascal Itter fand den eingewechselten Christian Beck, der sich im Laufduell durchsetzte und überlegt zum 2:1 einschob. Lok Leipzig warf in der Schlussphase alles nach vorne, kam aber nicht mehr durch die kompakte Dynamo-Defensive.

Schlüsselszene: In der 88. Minute rettete Dynamo-Keeper Lukas Boeder mit einer Glanzparade gegen einen Freistoß von Lok-Kapitän Robert Zickert den Sieg. Ohne diese Parade wäre es wohl beim 2:2 gelandet.

Fazit: Der BFC zeigt einmal mehr, dass er auch unter Druck die entscheidenden Momente für sich nutzen kann. Für Lok ist die Niederlage bitter, aber die Leistung gibt Anlass zu Zuversicht für die Rückrunde. Die Tabellenanalyse zeigt, wie knapp der Aufstiegskampf bleibt.

Energie Cottbus II 3:0 Germania Halberstadt

Die deutlichste Angelegenheit des Spieltags. Energie Cottbus II ließ der überforderten Halberstädter Defensive keine Chance und stellte schon vor der Pause die Weichen. Mika Clauß eröffnete in der 18. Minute, Lukas Krüger legte mit einem Doppelpack (37., 54.) nach.

Für Germania Halberstadt setzt sich die Talfahrt fort. Fünfte Niederlage in Folge unter Trainer Sven Körner, die Mannschaft scheint dem Abstiegskampf nicht gewachsen. Die Winterpause-Bilanz dürfte für Halberstadt eine schonungslose Analyse bringen.

Die Zahlen sprechen für sich: Energie Cottbus II kam auf 67 Prozent Ballbesitz und 18 Torschüsse, Halberstadt auf drei Abschlüsse, keiner aufs Tor. Die Qualitätslücke zwischen dem oberen und unteren Tabellendrittel wird immer deutlicher.

FSV Zwickau 1:1 Chemnitzer FC

Das Sachsen-Derby in Zwickau brachte Kampf, Leidenschaft und einen gerechten Punktgewinn. Vor 3.800 Zuschauern ging der Chemnitzer FC durch Tobias Müller (8.) früh in Führung. Der CFC kontrollierte danach das Spiel, vergab aber mehrere gute Chancen zum 0:2.

Das rächte sich. Zwickau kam mit frischem Elan aus der Kabine und drückte den CFC tief in die eigene Hälfte. In der 63. Minute glich Ronny König — mit 38 Jahren unverwüstlich — per Kopf zum 1:1 aus. In der Schlussphase drängte Zwickau auf den Siegtreffer, die Chemnitzer Defensive um Keeper Jakub Jakubov hielt aber stand.

Taktisch interessant: Duda wechselte in der 70. Minute auf Fünferkette, um den Punkt zu sichern. Pragmatisch und angesichts des Zwickauer Drucks nachvollziehbar. Für den CFC bleibt das Remis trotzdem ein verlorener Punkt im Aufstiegsrennen, nach den vergebenen Chancen.

Carl Zeiss Jena 2:0 FC Rot-Weiß Erfurt

Das Thüringen-Derby im Ernst-Abbe-Sportfeld war einseitig. Jena dominierte vom Anpfiff und ließ dem Tabellenletzten keine Chance. Maximilian Wolfram (24.) und Erik Majetschak (56.) erzielten die Tore. Jena baute seine Serie damit auf acht Spiele ohne Niederlage aus.

Für Rot-Weiß Erfurt war es die elfte Saisonniederlage. Trainer Fabian Gerber steht unter wachsendem Druck, im Umfeld werden Trainerwechsel-Forderungen laut. Das Team wirkt verunsichert, die Körpersprache auf dem Platz ließ kaum Gegenwehr erkennen.

Jena bestätigt mit diesem Auftritt seinen Status als Aufstiegskandidat. Das asymmetrische 3-4-2-1 von Trainer Patz funktioniert mittlerweile eingespielt, und die mannschaftliche Geschlossenheit könnte in der Rückrunde der größte Trumpf sein.

Hallescher FC 2:2 Berliner AK

Ein unterhaltsames Duell im Leuna-Chemie-Stadion mit gerechtem Ergebnis. Der Hallesche FC ging durch Cyrill Akono (15.) und Jonas Nietfeld (38.) zweimal in Führung, ließ sich aber zweimal den Vorsprung nehmen. Der Berliner AK zeigte Moral: Marco Kofler (29.) und Kevin Kahlert per spätem Kopfball (82.) glichen jeweils aus.

Besonders der zweite Berliner Ausgleich in der 82. Minute war ein Stimmungsdämpfer für die 2.900 HFC-Fans. Kahlert stieg nach einer Ecke am höchsten und ließ Halles Keeper Daniel Mesenhöler keine Chance. Für den BAK war es der sechste Treffer nach Standards in dieser Saison — ligaweit Bestwert.

Für den HFC reiht sich dieses Remis in die Geschichte verpasster Gelegenheiten ein. Mit nur einem Punkt Vorsprung auf den BAK verlieren die Hallenser den Anschluss an die Spitze. In der Tabelle ist der Rückstand auf Platz vier auf drei Punkte gewachsen.

Die weiteren Partien

SV Babelsberg 03 1:0 Tennis Borussia Berlin: Ein umkämpftes Berliner Derby, entschieden durch einen Elfmeter von Babelsbergs Kapitän Stefan Wächter (72.). TeBe protestierte vergeblich gegen die Entscheidung — die Videobeweis-Diskussion erreicht damit auch die Regionalliga.

VSG Altglienicke 3:2 Greifswalder FC: Das torreichste Spiel des Spieltags. Altglienicke führte bereits 3:0, ehe Greifswald in der Schlussphase auf 3:2 verkürzte. Die Altglienicker Defensive ließ nach dem dritten Treffer sichtbar nach — ein wiederkehrendes Muster, das Trainer Karsten Heine beschäftigen dürfte.

FC Viktoria 1889 Berlin 0:1 ZFC Meuselwitz: Ein wichtiger Auswärtssieg für den ZFC im Abstiegskampf. Das goldene Tor erzielte Kevin Schimmel per Direktabnahme in der 67. Minute.

FC Eilenburg 2:1 Hertha BSC II: Eilenburg gewinnt das Kellerduell und verschafft sich Luft. Hertha II, erneut ohne mehrere an die Profis abgestellte Spieler, konnte trotz Einsatz die Niederlage nicht verhindern.

Spieler des Spieltags

Lukas Krüger von Energie Cottbus II. Der 21-Jährige erzielte beim 3:0 gegen Halberstadt einen Doppelpack und war an fast jeder gefährlichen Aktion beteiligt. Mit neun Saisontreffern steht er auf Rang drei der Torjägerliste und gehört zu den spannendsten Entdeckungen dieser Spielzeit.

Fazit und Ausblick

Der 17. Spieltag hat die Trends der bisherigen Saison bestätigt: An der Spitze kämpfen vier Teams um den Aufstieg, am Tabellenende zeichnet sich ein Quartett aus Erfurt, Halberstadt, Hertha II und Greifswald ab, das um den Klassenerhalt kämpfen muss. Unsere Winterpause-Bilanz ordnet die gesamte Hinrunde ein.

Der 18. und letzte Spieltag vor der Winterpause verspricht Spannung: Chemnitzer FC empfängt Energie Cottbus II zum Verfolgerduell, Carl Zeiss Jena muss nach Babelsberg, und im Abstiegskeller kommt es zum direkten Aufeinandertreffen zwischen Hertha BSC II und Germania Halberstadt.

Quellen: kicker — Regionalliga Nordost Spieltag, fupa.net — Regionalliga Nordost